OSTFRIESISCHE LANDSCHAFT - REGIONALVERBAND FÜR KULTUR, WISSENSCHAFT UND BILDUNG
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Flurnamen-Fahrradtour durch die Gemarkung Wiesede

Wiesede ist ein ursprünglich weitgehend von Ausläufern des Ostfriesischen Zentralmoores umschlossenes Geestdorf. Der Ortsname spiegelt diese natürlichen Gegebenheiten wieder: „Wiesede“ ist eine Zusammensetzung aus den altfriesischen Wörtern „wies“ in der Bedeutung von „Moor“ oder „Sumpf“ und „ede“ in der Bedeutung von „reich an etwas“.

In Ostfriesland beginnen Moore sich nach dem Ende der Eiszeiten zu bilden. Im Laufe der Jahrtausende entsteht das mächtige in Südost-Nordwest-Richtung verlaufende Zentralhochmoor. Die Gemarkung Wiesede, für die eine Besiedlung im 10./11. Jahrhundert archäologisch belegt ist, entwickelt sich auf einer Geestzunge am östlichen Rand dieses Moorkomplexes. Der Ort verlagert sich im Laufe der Zeit von Norden im Bereich der Junkerei nach Süden in den Bereich von Kirche und Ziegelei.

Im Mittelalter gehört das Dorf zum Gau Östringen/Asterga. Nach der Einnahme der Friedeburg in den 1470er Jahren fällt Wiesede an das ostfriesische Grafenhaus und wird dem Amt Friedeburg zugeordnet. Über Jahrhunderte eine selbständige Bauernschaft, gehört Wiesede seit 1972 zu der 10 Ortschaften umfassenden Einheitsgemeinde Friedeburg.

Die Entstehung des Dorfes im Mittelalter mit der entsprechenden Flurverfassung, die Gasten (auch Esch genannt, Ackerland der Bauernschaft), Meeden, „freies Feld“ und Wald umfasst, wirkt prägend auf die Dorfstruktur. Sie lässt sich noch heute erkennen. Wo diese Struktur verblasst ist, wird sie über die überlieferten Flurnamen belegt.

Den Mittelpunkt des Dorfes bildet die Kirchenwarf. Direkt an die Siedlung sowie nord-östlich des Dorfes fügen sich Gasten an. Im Südwesten des mittelalterlichen Dorfes liegt ein Hudewald. Fruchtbare Meeden finden sich im Überschwemmungsgebiet der Bachläufe.

Das Dorf ist weitläufig umgeben vom genossenschaftlich genutzten „freien Feld“. Begrenzt wird der auch als Allmende bezeichnete Wirtschaftbereich durch das Hochmoor. Das Moor ist Energielieferant für den einzelnen Herd – so nannte sich in Ostfriesland ein Hof – und für die seit dem Mittelalter bestehende Ziegelei, die die in der Gemarkung reichlich vorkommenden Tonlager ausbeutet.

Im Jahr 1744 fällt Ostfriesland am Preußen. 1765 erlässt Friedrich der Große das Urbarmachungs-Edikt, das die Binnen-Kolonisierung fördern soll. Es bricht mit der überkommenen Flurverfassung und fordert die Kultivierung der Ödländereien sowie die eindeutige Festlegung der Eigentumsgrenzen. Die Aufteilung der Allmende unter den anteilsberechtigten Eigentümern erfolgt in Wiesede ab den 1860er Jahren. Die aufgeteilten Flächen sind mit einer Wallhecke zu umgeben. Es entsteht die heute denkmalgeschützte Wallhecken-Landschaft, die dem Dorf seinen waldähnlichen Charakter gibt.

Ein Teil der Fläche des „freien Feldes“ ist nach dem Urbarmachungs-Edikt für die Gründung neuer Kolonate vorgesehen. Unter diesen Bedingungen entsteht die Kolonie Upschört. Auch im Altdorf wird die Gründung neuer Hausstellen, die über Jahrhunderte konstant bei 33 liegt, möglich.

Bis vor zwei Generationen sind Wiesede und Upschört fast ausschließlich von der Landwirtschaft geprägt, heute sind sie Wohn-Dörfer. Der größte Teil der Bewohner arbeitet außerhalb.

Quelle: Christa Herzog: Die Flurnamen der Gemarkung Wiesede, Aurich 2009.

Beschreibung der Route

Beginn: Dorfplatz an der Wieseder Dorfstraße. Hier finden Sie Möglichkeiten zum Parken und einen Rastplatz mit zwei Schutzhütten. Ein Schaukasten bietet eine Übersichtskarte mit den in der Gemarkung überlieferten Flurnamen.

Gesamtlänge der Strecke: 18,5 km
Dauer der Tour: ca. 2 ½ bis 3 Stunden

Einkehrmöglichkeiten:

  • Gaststätte „Zum weißen Roß“, Auricher Weg 5, 26446 Wiesede, Tel.: 04948-672. Öffnungszeiten auf Anfrage.
  • Gaststätte Bender, Haarweg 3a, 26446 Upschört, Tel.: 04948-305. Öffnungszeiten auf Anfrage.
  • Für Gruppen auf Anfrage: Dorfgemeinschaftshaus „Alte Schmiede“, 26446 Wiesede, Dorfstraße 16. Gesa Beneken, Tel.: 04948-992869; Mobil: 0049162-6041004.

Die gesamt Tour zum Download als pdf-Datei

Flurnamentour Wiesede (6,0 MiB)